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Gelungener Start der soQua Summer School 2012

9. Jul. 2012

Konzepte, internationale Trends & ExpertInnen zu sozialer Innovation vom 9.-13. Juli in Wien

Der diesjährige Lehrgang legt den Fokus auf Innovation mit sozialer Verantwortung und auf den Umgang von Wissenschaft und öffentlichem Bereich mit dringlichen gesellschaftlichen Fragen.
Der Titel „Social Innovation in Europe and Beyond. The concept, its potential, and international trends“ verweist auf das wachsende Interesse seitens der Europäischen Gemeinschaft an neuen Innovationskonzepten.

Wozu soziale Innovation? stand am Beginn der Keynote von Josef Hochgerner, der wissenschaftlicher Leiter des ZSI: Im wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Diskurs werde durch globale Herausforderungen und immer komplexere Lebenswelten das Thema verstärkt adressiert. Der Gesellschaftsmotor Innovation, ein Begriff, der häufig unklar eingesetzt wird, würde nach einer analytischen Definition verlangen, so Hochgerner zu Beginn seines Vortrags.

Ein Ausgangspunkt vieler wesentlicher Betrachtungen sei in der Innovationskultur zu finden, in der in den letzten Jahrzehnten Fortschritte erzielt wurden. Die Mondlandung im Jahr 1969 oder die seit einigen Jahrzehnten stetig fortschreitende Klimaerwärmung seien gleichermaßen zu nennen. Innovation berge, so der Blick zurück, gelegentlich auch nicht wünschenswerte Veränderungen in sich.
Dieser erweiterte Blick auf das Thema Innovation mache eine positive, gleichzeitig kritische Haltung notwendig. Soziale Innovationsforschung beinhaltet dafür nützliche Ansätze und Instrumente.

Kleine Theoriegeschichte zu ‚soziale Innovation’
Aktuell existieren viele Konzepte nebeneinander. Pionier der Innovationstheorie ist Joseph Schumpeter, der 1912 Innovation als „neue Kombinationen von Produktionsfaktoren“ beschrieb und mit seinen Annahmen und Theorien bleibenden Wert erlangte.
Der Soziologe William Ogburn schuf 1922 mit seiner Theorie zum cultural lag eine weitere Grundlage für die aktuelle Innovationsforschung. Die Theorie des cultural lag besagt, dass einige Bereiche der Gesellschaft sich langsamer auf Veränderungen -- vor allem jene auf technologischer Basis -- einstellen können als andere. Dies hat zur Folge, dass ein Ungleichgewicht innerhalb der Gesellschaft entsteht. Auf Grund dieses Ungleichgewichts kommt es zu sozialen Problemen und Konflikten. Den Begriff des cultural lag prägte Ogburn maßgeblich in seinem Werk ’On Culture and Social Change’.
Der U.S.-amerikanische Forscher Horace Kallen forderte Ende der 1940er Jahre eine soziokulturelle Leseart von Innovation und begriff diese als „changes or novelties of rites, techniques, customs, manners and mores.“ (Horace Kallen, 1949: Innovation, in: Encyclopaedia of the Social Sciences; Vol. 8; pp. 58ff.)
Einen anderen richtungsweisenden Beitrag zur Diskussion lieferte Stuart Conger 1974  mit dem Begriff social invention, der auf organisationstheoretische und prozessorientierte Fragen zu Invention und Innovation fokussierte.

In der Gegenwart
Josef  Hochgerner präsentierte in seinem Vortrag die Notwendigkeit gesellschaftliche Entwicklung auszubalancieren. „Alle Innovationen sind sozial relevant“ so der Leitspruch des ZSI. Die soziale Dimension von Innovation scheint klar zu sein, werde aber in Praxis und Wissenschaft  immer wieder unvorteilhaft ausgeblendet. Die Auseinandersetzung mit Methode/n und Messbarkeit seien nun von besonderer Wichtigkeit, um das Forschungsthema auch nach dem aktuellen Interesse zu erhalten und produktiv weiterzuentwickeln.
Basis dafür sei eben eine analytische Definition von sozialer Innovation, so Josef Hochgerner:
“Social innovations are practices for resolving societal  challenges, which are adopted und utilized by the individuals, social groups and organizations concerned.”

 

Foto v.l.n.r: Jo Hochgerner (ZSI), Gudrun Ragoßnig (bmwf)

Die SoQua Summer School bietet noch bis zum 13. Juli 2012 Vorträge und Workshops.

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Tags: education, social innovation

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