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Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen über die Schulschließungen 2020

24. Feb 2021

Aus dem Projekt "Lernen im Ausnahmezustand" liegen jetzt die Projektberichte vor

Das Projekt “Lernen im Ausnahmezustand“ ist im Frühjahr 2020 zwei Fragen nachgegangen, die sich bereits mit den ersten Schulschließungen stellten: (1) Verteilen sich die Belastungen und negativen Folgen der Schulschließungen im Frühjahr 2020 sozial ungleich und verstärken so die sozial ungleiche Verteilung von Bildungschancen in Österreich? (2) Bietet das Home Learning auch Chancen für selbstorganisiertes Lernen, neue Freiräume und Formate? In der Tat waren Belastungen und Herausforderungen des Lernens zuhause sozial ungleich verteilt. Schwierigkeiten beim Lernen, sowie Überforderung und Verunsicherung berichteten überproportional  Schüler_innen aus niedriger qualifizierten Familien und deren Eltern, jene aus mehrsprachigen Familien, und Kinder von Alleinerziehenden. Überraschender war, dass auch Schüler_innen über 14 sowie Mädchen und junge Frauen von mehr Überforderung und Verunsicherung berichteten. Den sozialstrukturell benachteiligten Gruppen ging es mit der teilweisen Schulöffnung wesentlich besser, und die Abstände zu den Begünstigteren verringerten sich. Unter den Eltern berichteten außer den geringer Qualifizierten auch Mütter im Homeoffice von höheren Belastungen – das Homeoffice war (bekanntlich) schlecht mit den Betreuungsnotwendigkeiten beim Distanzlernen vereinbar. Lehrer_innen waren auf das digitale Lernen suboptimal vorbereitet: Weniger als die Hälfte hatte bereits zuvor Plattformen im Unterricht verwendet, und nur die knappe Hälfte wollte sie weiterverwenden. Sie waren sich der sozial ungleichen Auswirkungen des Distanzlernens bewusst und versuchten teils auch, benachteiligte und leistungsschwächere Schüler_innen intensiver zu betreuen. Zur Weiterentwicklung der Schule und des Lernens wünschen sich Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen sowohl mehr Selbstbestimmung und Selbstorganisation beim Lernen als auch intensivere und individuellere Betreuung. Beides ist durch digitale Angebote nicht zu ersetzen, sondern unabdingbare Voraussetzung für eine sinnvolle Digitalisierung der Schule.

Die Berichte sind hier herunterzuladen - bibliographische Angaben gibt es hier:

"Zuhause bekommen wir nur intensive Aufgaben."  Lernen im Ausnahmezustand - die Sicht der Schüler_innen

„Ich selbst hab zuwenig Kapazitäten, um mein Kind zu motivieren."  Lernen im Ausnahmezustand - Chancen und Risiken. Ergebnisse der Elternbefragung

"Plötzlich bin ich in der Situation eines Youtubers" - Lehrer_innen und ihre Erfahrung mit Schüler_innen im Lockdown. Lernen im Ausnahmezustand - Chancen und Risiken. Ergebnisse der Lehrer_innenbefragung

 

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Tags: Austria, Covid-19, education