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25 Juni 2026

Mehr als nur Bücher: Wie „make-a-thek“ Europas Bibliotheken in kreative Gemeinschaftszentren verwandelt

Wien, Österreich – In ganz Europa schlagen öffentliche Bibliotheken ein neues Kapitel auf. Einst vor allem als Orte zum Ausleihen von Büchern bekannt, entwickeln sie sich zunehmend zu lebendigen Räumen, in denen Menschen sich treffen, lernen, kreativ sind und zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt dieses Wandels steht „make-a-thek“, ein von „Horizon Europe“ gefördertes Forschungs- und Innovationsprojekt unter der Leitung von Barbara Kieslinger vom ZSI, das Bibliotheken dabei unterstützt, ihre Rolle in der Gesellschaft durch Makerspaces neu zu definieren, die sich der Kreativität, der Nachhaltigkeit und dem gesellschaftlichen Engagement widmen.

Das Projekt erlangte kürzlich internationale Aufmerksamkeit, nachdem es in „Horizon – The EU Research & Innovation Magazine“ vorgestellt und anschließend von der Wissenschaftsplattform der Austria Presse Agentur (APA Science) aufgegriffen wurde. Hervorgehoben wird darin die Vision von Bibliotheken als inklusiven „third spaces“, die weit über die traditionelle Funktion der Buchausleihe hinausgehen.

Bibliotheken für das 21. Jahrhundert

Da digitale Technologien die Art und Weise, wie Menschen auf Informationen zugreifen, immer weiter verändern, stehen Bibliotheken vor einer grundlegenden Frage: Welchen einzigartigen Mehrwert können sie in einer zunehmend online geprägten Welt bieten?

Die von make-a-thek vorgeschlagene Lösung ist einfach und zugleich ambitioniert. Anstatt mit digitalen Informationsdiensten zu konkurrieren, können Bibliotheken zu Orten werden, an denen Gemeinschaften zusammenkommen, um praktische Fähigkeiten zu erlernen, Wissen auszutauschen und gemeinsam an Lösungen für lokale Herausforderungen zu arbeiten.

Das Projekt läuft von 2025 bis 2028 und bringt neun europäische Partner zusammen, um modulare Makerspaces in öffentlichen Bibliotheken einzurichten. Diese Räume verbinden digitale Fertigungstechnologien mit traditionellem Handwerk und regen die Bürgerinnen und Bürger dazu an, sich mit Themen wie „circular fashion“, „textile repair“, traditionellem Handwerk und nachhaltigem Design auseinanderzusetzen.

Kreativität trifft auf Nachhaltigkeit

Im Gegensatz zu herkömmlichen Makerspaces, die sich oft ausschließlich auf Technologie konzentrieren, stellt „make-a-thek“ Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten.

Besucherinnen und Besucher können an Workshops zur Reparatur von Kleidung, zum Upcycling, zu traditionellen Textiltechniken und zur kreativen Wiederverwendung von Materialien teilnehmen. Durch die Verbindung moderner digitaler Werkzeuge mit überlieferten Handwerkstechniken werden Bibliotheken zu Orten, an denen Umweltbewusstsein und praktische Kreativität einander stärken.

Die Initiative orientiert sich an den Grundsätzen des New European Bauhaus und fördert Nachhaltigkeit, Inklusion sowie gestalterische Qualität durch gemeinschaftsgetragene Innovation.

Ein europaweites Netzwerk

Die an „make-a-thek“ teilnehmenden Pilotbibliotheken decken ein breites Spektrum europäischer Gemeinden ab, von großen Stadtbibliotheken wie der renommierten Oodi-Bibliothek in Helsinki bis hin zu kleineren Stadtbibliotheken, darunter die Bibliothek in Opole in Polen. Jeder Standort passt das Konzept an die lokalen Bedürfnisse an und tauscht gleichzeitig Erfahrungen und Ressourcen mit dem gesamten Netzwerk aus.

Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist sein Bekenntnis zur Offenheit und Wissenstransfer. Die im Rahmen des Projekts entwickelten Instrumente, Methoden und Bildungsressourcen werden frei zugänglich gemacht, damit Bibliotheken in ganz Europa und darüber hinaus den Ansatz nachahmen und anpassen können.

Um noch mehr Menschen zu erreichen, entwickelt das Konsortium außerdem einen mobilen Makerspace-Bus, der Workshops, Ausstattung und Lernangebote in ländliche Regionen und strukturell benachteiligte Gemeinden bringt. Ergänzend dazu werden im Jahr 2027 internationale Pilotprojekte in Südafrika, Ghana, Chile, den Philippinen und Indonesien umgesetzt. Interessierte können den Tourbus Matty auf seiner Reise durch Europa in diesem Sommer sowie alle weiteren Projektaktivitäten auf den Instagram-, LinkedIn-, Facebook– und YouTube-Kanälen von make-a-thek verfolgen.

Von Bibliotheksnutzern zu Mitgestaltenden

Eines der grundlegenden Prinzipien von „make-a-thek“ ist die gemeinsame Gestaltung. Anstatt ausschließlich von Bibliotheksmitarbeitern konzipierte Aktivitäten anzubieten, wirken die lokalen Gemeinschaften aktiv an der Gestaltung von Programmen, Workshops und Makerspaces mit.

Dieser kollaborative Ansatz stärkt Bibliotheken als demokratische öffentliche Einrichtungen, in denen Bürgerinnen und Bürger nicht nur Nutzerinnen und Nutzer von Dienstleistungen sind, sondern aktiv zum Gemeinschaftsleben beitragen.

Durch Peer-Learning, Wissensaustausch und kreatives Experimentieren entwickeln sich Bibliotheken zu Plattformen für lebenslanges Lernen und lokale Innovation.

Die Bibliothek neu denken

Die zunehmende internationale Anerkennung von „make-a-thek“ spiegelt einen umfassenderen Wandel wider, der sich in den öffentlichen Bibliotheken Europas vollzieht. Diese werden zunehmend als vertrauenswürdige öffentliche Räume anerkannt, die neben ihrem traditionellen Bildungsauftrag auch soziale Inklusion, Kreativität und nachhaltige Entwicklung fördern.

Auch wenn Bücher nach wie vor ein zentraler Bestandteil ihrer Identität sind, erweitern die Bibliotheken von morgen ihren Aufgabenbereich. Sie entwickeln sich zu Orten, an denen Menschen Dinge reparieren, anstatt sie wegzuwerfen, etwas schaffen, anstatt nur zu konsumieren, und zusammenarbeiten, anstatt allein zu arbeiten.

Mit „make-a-thek“ zeigt Europa, dass Bibliotheken auch weiterhin zu den wertvollsten öffentlichen Einrichtungen der Gesellschaft zählen können – nicht nur als Hüter des Wissens, sondern auch als Impulsgeber für Innovation, Kreativität und widerstandsfähige Gemeinschaften.